Wein, Kultur und Tradition: Die Komturei Wien und Niederösterreich auf Entdeckungsreise durch Bordeaux

Ein tiefer Einblick in die Welt der Appellationen: 24 Teilnehmer der Komturei Wien und Niederösterreich sowie Gäste begaben sich vom 11. Oktober auf eine einwöchige Reise in das Herz der französischen Weinregion Bordeaux.

Unter der Organisation von Komtur Walter Brada stand die Reise im Zeichen der Vielfalt. Bordeaux hat sich in den letzten zehn Jahren stark gewandelt: Die Anbauflächen wurden auf etwa 84.000 Hektar reduziert, während Nachhaltigkeit und Bio-Zertifizierungen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Auch wirtschaftliche Faktoren, wie ein rigoroses Erbschaftsteuergesetz, prägen die Region und führen teils zu Besitzerwechseln oder Neueinstufungen der Weingüter (wo erlaubt). Ziel der Reise war es, diese gesamte Bandbreite der verschiedenen Regionen und Terroirs hautnah zu erleben.

Der Start: Historisches Bordeaux und die Brise des Atlantiks

Die Reise begann mit einem atmosphärischen Einstieg in die Stadt Bordeaux. Ein geführter Rundgang führte die Gruppe zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Stadt, gefolgt von einem klassischen französischen Abendessen im renommierten Restaurant La Tupina, das den perfekten kulinarischen Start markierte.

Am zweiten Tag zog es die Teilnehmer Richtung Küste nach Arcachon. Mit einem kleinen Boot ging es über das Wasser nach Cap Ferret. Zwischen den malerischen Ferienhäusern und den weitläufigen Austernzuchten genoss die Gruppe frische Austern und gekühlten Weißwein – eine perfekte Kombination aus regionalen Köstlichkeiten und eindrucksvoller Landschaft. Den Abschluss des Tages bildete ein fachlicher Exkurs in der Ecole Du Vins, wo ein fundierter Vortrag die komplexen Zusammenhänge der Weinregion und ihrer Appellationen erläuterte.

Von den Giganten des Médoc bis zu den Perlen des Graves

Der dritte Tag führte die Gruppe auf das linke Ufer der Gironde. In einem straffen Programm besuchten die Teilnehmer fünf der großen Chateaus. Bei den anschließenden Verkostungen standen die für diese Region typischen, stark vom Cabernet Sauvignon geprägten Rotweine im Vordergrund.

Am vierten Tag stand die Region Graves sowie Pessac-Léognan auf dem Plan. Hier wurde deutlich, dass Bordeaux weit mehr ist als nur Rotwein: Die hochwertigen Weißweine dieser Gegend sind ebenso charakteristisch wie exquisit und erzielen teilweise sogar höhere Preise als ihre roten Gegenstücke.

Nebel, Süße und die Magie von Saint-Émilion

Ein geologischer Kontrast folgte am nächsten Tag in der Sauternes-Region. Geprägt durch die umliegenden Flüsse und den charakteristischen Nebel, bietet diese Gegend ideale Bedingungen für die Produktion weltberühmter Süßweine. Im Anschluss bezog die Gruppe ihr Quartier für die restlichen Tage in Libourne.

Ein besonderes Highlight war der Besuch von Saint-Émilion. Die malerische Altstadt und die beeindruckende Felsenkirche verzauberten die Teilnehmer. In einem Seminar der lokalen Weinschule wurde zudem die Besonderheit der hiesigen Appellation diskutiert: Im Gegensatz zum linken Ufer werden die Auszeichnungen hier regelmäßig überprüft. Dies führte dazu, dass einige renommierte Weingüter bewusst auf die höchste Einstufung verzichteten. Der Nachmittag stand im Zeichen der Moderne, bei dem zwei Bio-Betriebe mit ihren innovativen Weinen überzeugten.

Ein glanzvoller Abschluss in Pomerol

Die letzte Etappe führte nach Pomerol, wo der Merlot die Hauptrolle spielt. Auf den geologisch einzigartigen, kleinen Parzellen wachsen hier einige der edelsten Tropfen der Welt. Zum Abschluss kehrte die Gruppe nochmals nach Saint-Émilion zurück. Ein besonderes Erlebnis blieb die Verkostung im Chateau d’Aiguhile: Hier überraschte der Graf von Neipperg die Gruppe persönlich und plauderte aus dem Nähkästchen – ein Moment, der allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Nach einem gemeinsamen Abschiedsabend und einem letzten freien Vormittag in Saint-Émilion traten die Teilnehmer die Heimreise nach Wien an. Neben den weinkundlichen Erkenntnissen blieb vor allem die kameradschaftliche Atmosphäre und die hervorragende Organisation durch Komtur Walter Brada in bester Erinnerung.